Rieper Dinner
- genuss.meister

- vor 5 Tagen
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Alte Freundschaften, gute Gespräche und ein gemeinsamer Abend am Tisch

Am 08.08.2026 stand wieder einmal ein Dinner in der genuss.werk.statt auf dem Programm – dieses Mal mit einem ganz besonderen Anlass: Ein Wiedersehen mit alten Studienfreunden aus Graz.
Mit dabei waren Susi und Alex mit ihren beiden Kindern Julia und Maximilian, meine Frau Patrizia, unsere beiden Kinder Ian und Finn – und natürlich meine Wenigkeit. Eine Runde also, bei der es weniger um einen offiziellen Anlass ging, sondern vielmehr um etwas, das im Alltag oft viel zu kurz kommt: gemeinsam Zeit verbringen, alte Geschichten wieder aufleben lassen, viel erzählen und lachen – und das Ganze bei einem guten Essen.
Gerade Freundschaften, die schon viele Jahre bestehen und ihren Ursprung in einer gemeinsamen Studienzeit haben, sind etwas Besonderes. Auch wenn man sich vielleicht nicht mehr so häufig sieht wie früher, fühlt es sich beim Wiedersehen oft erstaunlich schnell wieder so vertraut an wie damals. Genau diese Atmosphäre wollte ich mit dem Dinner begleiten.
Das Menü – wie ein kleines kulinarisches Konzert
Das Menü des Abends war dieses Mal wie ein musikalisches Programm aufgebaut: Nach einem kleinen Gruß aus der Küche folgten Ouvertüre, Zwischenspiel, der kulinarische Höhepunkt und schließlich das Finale.
Passend dazu gab es zu den einzelnen Gängen jeweils eine abgestimmte Getränkebegleitung.

Gruß aus der Küche
Der Abend begann mit einem kleinen Gruß aus der Küche, der direkt einige intensive Aromen miteinander verband. Lachs und Ei bildeten die feine, cremige Basis, während der Trüffel dem Ganzen seine charakteristische Tiefe verlieh.
Ein bewusst kleiner Auftakt, der geschmacklich dennoch präsent war und Lust auf das machte, was noch folgen sollte. Dazu sorgten Sparkling Rocco Spicy Honey für einen ebenso ungewöhnlichen wie lebendigen Einstieg in den Abend.

Ouvertüre
Mit der Ouvertüre begann das eigentliche Menü. Die Wolfsbarsch-Ceviche stand dabei klar im Mittelpunkt: fein und elegant, begleitet von Sellerie, einer gezielt eingesetzten Chili-Note und abgerundet mit Leche de Tigre.
Gerade das Zusammenspiel aus der feinen Aromatik des Fisches, den erdigen Nuancen des Selleries und einer leichten Schärfe sorgte für Spannung auf dem Teller, ohne den Wolfsbarsch in den Hintergrund zu drängen.
Begleitet wurde der Gang von einem Abtsleite Riesling des Weinguts Juliusspital. Seine Frische und Säure bildeten einen schönen Gegenpol zum Gericht und unterstrichen die Leichtigkeit des ersten Ganges.

Zwischenspiel
Das Zwischenspiel war bewusst etwas verspielter angelegt. Fagottini mit Karotte und Ricotta brachten mit der Kokosmilch-Geflügel-Jus drei sehr unterschiedliche Komponenten zusammen, die sich auf überraschend harmonische Weise ergänzten.
Die natürliche Süße der Karotte traf auf die Cremigkeit und milde Säure des Ricottas, während die Kokosmilch-Geflügel-Jus dem Gericht eine leicht exotische Richtung gab. Ein Gang, der nicht als bloßer Übergang gedacht war, sondern seinen ganz eigenen Charakter entwickelte.
Dazu gab es den Stoan der Kellerei Tramin – eine ausdrucksstarke Weißwein-Cuvée aus Südtirol, die mit ihrer Vielschichtigkeit sehr schön zu den unterschiedlichen Aromen dieses Ganges passte.

Kulinarischer Höhepunkt
Beim Hauptgang servierte ich ein Filet vom Rind. Begleitet wurde das Fleisch von Sellerie und Karotte – zwei Produkte, die bereits an anderer Stelle im Menü auftauchten und hier noch einmal in einer kräftigeren Interpretation ihren Platz fanden.
Beim Rind stand natürlich der intensive Fleischgeschmack im Vordergrund, während Sellerie und Karotte für Balance und etwas Süße sorgten.
Zum Hauptgang kam mit dem Urban Lagrein der Kellerei Tramin ein kräftiger Südtiroler Rotwein ins Glas. Besonders zum Rind bildete seine Struktur und Würze einen schönen Partner und gab dem kulinarischen Höhepunkt das nötige Gewicht.

Das Finale
Nach den kräftigeren Aromen des Hauptgangs sollte das Finale bewusst wieder leichter und frischer werden.
Zitrone bildete mit ihrer klaren Säure den Mittelpunkt des Desserts. Dazu kamen die Süße und feine Textur des Baisers sowie Minze, die dem Ganzen noch einmal zusätzliche Frische verlieh. Ein Zitronen-Tartelette, das nicht zu schwer wirkte und damit genau den richtigen Abschluss für ein mehrgängiges Sommermenü bot.
Begleitet wurde es vom Elogio alla Lentezza von I Pàstini – ein schöner letzter Akzent für einen langen und genussvollen Abend.

Wenn aus einem Dinner ein Wiedersehen wird
So viel Spaß mir die Planung und Zubereitung eines solchen Menüs macht – an diesem Abend stand das Essen eigentlich gar nicht allein im Mittelpunkt.
Viel wichtiger war die gemeinsame Zeit. Mit Susi und Alex verbindet uns eine lange Geschichte aus unserer Studienzeit in Graz. Dass nun auch unsere Kinder gemeinsam mit am Tisch saßen, macht einem einerseits bewusst, wie viel Zeit seit damals vergangen ist – und zeigt andererseits, wie schön es ist, wenn alte Freundschaften diese Zeit einfach überdauern.
Mit Julia, Maximilian, Ian und Finn war es zudem ein Dinner über zwei Generationen hinweg. Dadurch war der Abend lebendig, ungezwungen und sicherlich anders als ein klassisches Fine Dining – aber gerade deshalb besonders schön.
Fazit
Das Rieper Dinner war für mich weit mehr als ein mehrgängiges Menü. Es war ein Abend mit Menschen, mit denen viele gemeinsame Erinnerungen verbunden sind – und gleichzeitig die Gelegenheit, neue hinzuzufügen.
Gutes Essen und passende Weine können einen solchen Abend begleiten und ihm einen besonderen Rahmen geben. Entscheidend sind am Ende aber die Menschen, die gemeinsam am Tisch sitzen.
Und wenn nach dem letzten Gang noch lange weiter geredet, gelacht und in alten Geschichten gekramt wird, dann war es genau der Abend, den man sich gewünscht hat.




Es war genauso wie Amme (so heißt er für uns) es beschrieben hat. Ein wunderbarer Abend mit Freunden, begleitet von einem phantastischen Menü auf Sterne Niveau. Der große Unterschied zum Hauben Lokal war die Atmosphäre, familiär, freundschaftlich, wie Zuhause. Das Außergewöhnliche daran, dass wir bei der Zubereitung der Gänge mitten drinnen waren und so allerhand neugierige Fragen stellen konnten und danach die Antworten direkt am Teller hatten.
Vielen Dank nochmal und bis hoffentlich bald ...
Alex, Susi, Julia und Maximilian.